50 Jahre - Judo in Oberfranken          Galerie

 

Eine Frage des Niveaus!

Ein Kommentar von Otto Heyder

Hat sich die Jugendleitung des BJV eigentlich schon einmal Gedanken gemacht, dass Nachwuchsförderung auch im Bereich der Jugend U10, U12 und U15 der entscheidende Faktor für die Erfolge sein könnte, die bayerische Athleten in einigen Jahren im Erwachsenenbereich erzielen werden?

Man kann es sich kaum vorstellen. Eine exzellente Nachwuchsarbeit ist im Moment zweifellos im Bereich der U18 zu erkennen. Danke Claudia, danke Jan!

Wenn man sich aber anschaut, was in Baden und Württemberg auch bei den Jüngeren an Nachwuchsarbeit geleistet wird, dann dürfte auf der Hand liegen, dass Bayern in wenigen Jahren deutlich abgehängt sein wird.

Vor noch nicht allzu langer Zeit gab es eine Woche nach der Bayerischen Einzelmeisterschaft der Altersklasse U14 regelmäßig am darauf folgenden Wochenende einen dreitägigen Vorbereitungslehrgang für die Süddeutsche in Oberhaching, zu dem alle qualifizierten Athleten eingeladen waren. Die Organisation war sowohl für die Jugendleitung, als auch für die zuständigen Landestrainer sicher eine nicht unerhebliche Herausforderung. Aber eine, die sich gelohnt hat. Bei der Süddeutschen sprangen für den BJV deutlich mehr Medaillen heraus, als beispielsweise im letzten Jahr.

Und heute: Der Landestrainer der MU15 ist bei der Bayerischen noch nicht einmal anwesend. Einen Vorbereitungslehrgang gibt es schon länger nicht mehr. Stattdessen verschwendet die Jugendleitung ihre Zeit damit, Argumente zu sammeln, warum einer U12-Athletin, die mit Sonderstartgenehmigung Bayerische Meisterin der U15 wurde, keinesfalls eine Starterlaubnis für die Süddeutsche erteilt werden darf!

Und der oberste Landestrainer höchstpersönlich ruft bei den Eltern der Elfjährigen an, um ihnen zu erklären, warum es für ihr Kind ganz ganz schlecht ist, wenn es jetzt auch noch bei der Süddeutschen startet. Es könnte dann ja nächstes Jahr die Lust am Judo verlieren, wenn es eine Gewichtsklasse höher starten muss.

Na klar: Der Niveauunterschied zwischen Bayerischer und Süddeutscher ist viel zu groß. Mit Sonderstarts hat man in den letzten Jahren sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Davor sollte die Kleine geschützt werden. Und das versteht sie auch, wenn man es ihr nur richtig erklärt. Sie will ja schließlich mal Olympia kämpfen …

Und sicher versteht sie auch, dass sie letztes Jahr als Drittplatzierte bei der Bayerischen mit Sonderstartgenehmigung bei der Süddeutschen kämpfen durfte, dieses Jahr aber eine neue Jugendleitung zuständig ist, die viel besser beurteilen kann, was für sie gut ist.

Die Eltern reiben sich verwundert die Augen und fragen sich, ob sie ihre Tochter die Lateinschulaufgabe besser nicht mitschreiben lassen sollten, weil zu befürchten ist, dass sie eine Eins schreibt - und dann die Lust an Latein verliert, wenn es bei der nächsten Schulaufgabe nur ein Zweier wird.

Und ich frage mich, ob die derzeitige Nachwuchsförderung und solche Entscheidungen der Jugendleitung nicht dazu führen, dass der Niveauunterschied zwischen Bayerischer und Süddeutscher noch etwas größer wird …

 

… und gehe jetzt mit den qualifizierten Jungs meines Vereins zur Vorbereitung auf die Süddeutsche ins Schwimmbad.

Otto Heyder

 

Dieser Kommentar gibt ausschließlich die persönliche Meinung des Verfassers wieder und nicht die des Bezirksverbandes Oberfranken oder seiner Funktionäre