50 Jahre - Judo in Oberfranken          Galerie

 

Wer Ippon wirft hat Recht!

Ein (abschließender) Kommentar von Otto Heyder

Mann-o-Mann war das ein Zirkus. Erst sagt die Jugendleitung in Bayern nein. Dann rafft sie sich doch auf, eine Sonderstartgenehmigung beim DJB zu beantragen. Dann sagt die Jugendleitung des DJB nein, ohne es jedoch für nötig zu halten, ihre Entscheidung auch nur ansatzweise nachvollziehbar zu begründen.
Kopf in den Sand. Die Bitte, aus Gründen der Fairness doch wenigstens eine rechtlich überprüfbare Begründung mitzuteilen, bleibt komplett unbeantwortet. Die Zeit läuft davon. Also bleibt nur die Möglichkeit, den Rechtsausschuss des DJB einzuschalten. Der setzt der Bundesjugendleitung zwei Tage vor der Meisterschaft eine Frist zur Stellungnahme und erlässt, nachdem auch diese Frist offenbar ohne Reaktion verstreicht, quasi in allerletzter Minute eine einstweilige Verfügung - pro Jugend und pro Judo:
Die Bayerische Meisterin darf doch bei der Süddeutschen starten!

 

Das ging dann ja gerade noch einmal gut. Nur stellt sich mir die Frage: Gibt es da nicht strukturelle Probleme, an deren Lösung man sich einmal machen müsste? Immerhin sollte eine Jugendleitung ja für die Jugend arbeiten und nicht gegen sie. Sie sollte für Judo arbeiten, und nicht dagegen. Und sie sollte überhaupt arbeiten und wenigstens grundlegende Verhaltensregeln des vernünftigen Miteinanders beachten, zu denen es meines Erachtens zum Beispiel gehört, Anfragen zu beantworten. Alle Behörden müssen das. Ist irgendwo so geregelt. Für Spitzenfunktionäre eines Sportverbandes sollte es eine Selbstverständlichkeit sein.

Wird nicht ständig beklagt, dass es immer weniger Kinder und Jugendliche gibt, die zum Kämpfen wollen. Müssen wir da wirklich die wenigen bzw. immer wenigeren, die es noch wollen, die geradezu darauf brennen, die mit elf schon heiß darauf sind, bevormunden oder gar vergraulen. Um sie zu schützen?

Warum hat man in den Verbänden so wenig Vertrauen zu den Funktionären und Trainern vor Ort und zu den Eltern, die ihre Kinder doch am besten kennen? Die machen doch tagtäglich die Arbeit, fahren Jahr für Jahr mit ihren Kindern tausende von Kilometern, verbringen einen großen Teil ihrer Lebenszeit in Turnhallen und legen den Grundstein für eine erfolgreiche sportliche Karriere. Und sorgen so dafür, dass sich die Verbände dann die wenigen talentierten Perlen herauspicken können, um sie zu höheren Weihen zu führen. Alles nur vom Ehrgeiz zerfressene und verantwortungslose Streber, die einer läppischen Medaille wegen ihre Kinder “verheizen” und vor denen die Jugendleitung den  Nachwuchs schützen muss?

Vielleicht schützen wir unseren schönen Sport so auch kaputt. In welcher anderen Sportart müssen Kinder z.B. Voraussetzungen wie eine bestimmte Graduierung erfüllen, um an einem Turnier teilnehmen zu dürfen? Die Kinder wollen rangeln und raufen, also lassen wir sie doch. Ohne dabei alles engmaschig zu reglementieren. Brauchen wir wirklich ein "Rahmenkonzept", das so umfangreich und kompliziert ist, dass es keiner mehr lesen mag. Als Ideensammlung vielleicht ganz nett. Aber als Muss? Was aus den Kindern später einmal wird, ist ohnehin reine Hypothese. Wer wollte sich anmaßen, zu behaupten, dass ein schon im Kindesalter erfolgreiches Kind für den Leistungssport verloren ist? Und wenn: Welcher Prozentsatz schafft denn überhaupt den Sprung?

Anarchie, wird jetzt vielleicht der ein oder andere denken. Na und? Wenn die Kinder mit Fünf im Garten auf dem Trampolin springen, ist das auch allein Sache der Eltern. Gott sei Dank gibt es da keinen Verband, der das Sagen hat, denn der würde es im Zweifel verbieten.

Ich habe vor kurzem von einer Trainerin gehört, die ihrer U10-Kämpferin bei einem Plemperlesturnier in Hintertupfing nach einem verlorenen Kampf eine Stunde lang Vorhaltungen gemacht hat. Sie hat dann das heulende Kind fotografiert und ihr das Foto mit der Frage vorgehalten, ob so ein Sieger aussieht. Pädagogisch sehr wertvoll! Aber müssen wir deshalb U10-Turniere wieder verbieten? Wohl kaum. Das sind Einzelfälle, die es immer geben wird und bei denen man im Einzelfall (!) sicher einschreiten muss. Eines grundsätzlichen Verbotes bedarf es deshalb nicht.

Ebenso wie man im Einzelfall (!) eben auch Ausnahmen zulassen kann, wenn es die Wettkampfordnung erlaubt. Für die zuständigen Entscheidungsträger macht das sicher Arbeit. Will man die nicht leisten, bleibt aber nur die Möglichkeit, solche Ausnahmeregelungen ersatzlos zu streichen.

Meine persönliche Meinung: Etwas mehr Laissez faire täte dem Judosport gut. Sich immer wieder mit bürokratischen Ränkespielen beschäftigen zu müssen, ist weder besonders konstruktiv, noch erquicklich.

Die elfjährige bayerische Meisterin der FU15 (-33 kg) erkämpfte sich am vergangenen Wochenende bei der "Süddeutschen" in Nürtingen den ersten Platz. Mit einem wunderschönen Ippon im Finale. So ganz falsch kann es also nicht gewesen sein, hier von der in der Wettkampfordnung enthaltenen Ausnahmeregelung Gebrauch zu machen.

So einfach kann Judo sein: Wer Ippon wirft hat Recht!

Otto Heyder

 

Dieser Kommentar gibt ausschließlich die persönliche Meinung des Verfassers wieder und nicht die des Bezirksverbandes Oberfranken oder seiner Funktionäre